Vorab:
Jeder Leser kann sich ein Bild über meine Hunde und mich machen anhand meiner öffentlichen Tagebücher, die ich mit vielen Videos aus unserem Alltag ergänzt habe:
www.rudelstellungen.eu/de/forum/215-oeff...v3-ein-videotagebuch
Erklärung zu dem kursierenden Video
von mir und meinen 5 Hunden in München:
Ich erhielt per mail einige Anfragen, was denn das für ein Video sei und ob denn alles stimmt, was man so darüber lesen kann.
Ich mag es sehr, wenn man mich direkt und offen anspricht, und nicht heimlich und verborgen feige sich darüber austauscht, sondern eben den direkten offenen Austausch sucht,
und deswegen habe ich entschieden, etwas zu diesem Video zu schreiben.
Zuerst sei gesagt:
Nein,
dieses Video zeigt nicht unseren Alltag, es zeigt keine alltägliche Situation,
es zeigt auch keineswegs, wie RSler mit ihren Hunden täglich spazieren gehen,
und schon gar nicht soll es eine Empfehlung für andere sein.
Und ja, ich stimme da allen zu:
Es ist keine harmonische ausgeglichene Situation, die man da sieht, und es ist auch nicht schön.
Als diese Situation stattfand, wusste ich ja, daß gefilmt wird, und ich habe den Film auch gesehen, als er im Forum eingestellt wurde.
Es wäre ein Leichtes für mich gewesen, das Filmen zu untersagen, den Film nicht einstellen zu lassen oder den Film dann aus dem Forum zu löschen.
Aber obwohl ich selber diese Situation nicht schön und stimmig finde,
dachte ich, es zeigt eine Situation, wie sie stattgefunden hat, und warum soll man das nicht auch sehen.
Ich bin ein Mensch und habe in dieser Situation entnervt reagiert - was ein Fehler ist, und man soll nicht entnervt reagieren Lebewesen gegenüber, das ist uns allen klar. Es war aber so in dieser Situation aus verschiedenen Gründen.
Zu der dort zu sehenden Situation:
Der Nachrangleithund NLH ist der schwarz-braun-weiße Rüde.
Mein NLH hat 2013 seinen ersten Workshop erlebt und mag seitdem keine Workshops.
In den vergangenen Jahren habe ich es noch eine Male versucht, aber er zeigt jedesmal deutlich, daß er es nicht mag.
Deswegen habe ich entschieden, daß -
wenn es möglich ist! - mein NHL keine WS mehr besuchen muss und einfach zuhause bleiben darf.
Genau das war für diesen Tag geplant: Ich hatte es alles organisiert, daß NLH zuhause bleiben kann.
Am Abend zuvor wurde der Plan umgeworfen, und nun musste ich also entscheiden:
Bleibe ich zuhause oder nehme ich NLH mit.
Kurz erklärt:
Es ist natürlich möglich, einen Hund auch alleine zuhause zu lassen, ohne daß jemand mal nach ihm schaut.
Viele Menschen handhaben es so.
Für mich ist das aber nicht denkbar, ich persönlich möchte das nicht und finde es auch nicht richtig.
Da ich einigen Leuten zugesagt hatte, zu dem Treffen zu kommen, und diese nicht enttäuschen wollte, entschied ich, den NLH mitzunehmen.
Wir fuhren morgens nach dem Frühstück um 7:00 los, ich musste vorher noch etwas anderes erledigen, und wir kamen gegen 10:00 also dort an. Unterwegs hatte ich alle Hunde zusammen aus dem Auto gelassen, und wir waren ein kleines Stück spaziert.
Mein NLH hatte seit morgens 7:00 mir mehrmals deutlich zu verstehen gegeben, daß er nicht mitfahren möchte.
Dazu auch kurz:
Ich fahre so gut wie täglich mit den Hunden Auto, und mein NLH fährt gerne Auto. Er wartet überall auch ruhig und meist schlafend im Auto. Ich nehme ihn auch gern oft möglichst überall hin mit, das alles mag er.
Aber als ich ihm sagte, daß wir heute nach München fahren, protestierte er.
Das werden einige Leser unglaubwürdig finden, aber so ist es, er versteht das alles.
Als wir ankamen, und ich die Hunde aussteigen ließ,
protestierte NLH wieder.
Auch hierzu kurz:
Ja, man kann mir vorwerfen, daß ich meinen NLH in diese Situation gebracht habe, die ihm missfällt.
Das, was er nicht mag, ist folgendes: Nach München fahren, dort warten, und dann am Nachmittag wieder heimfahren und erst verspätet am Abend sein Futter bekommen.
Es ist also nichts, was nicht schaffbar wäre.
Er hat hier tagtäglich seinen Alltag in sehr unbesorgter verlässlicher Atmosphäre. Und sehr selten verlange ich von ihm, daß er solche Dinge mitmachen muss.
Wir gingen dann am Morgen schon einmal auf diese Wiese und alle Hunde lösten sich und schnüffelten herum. Sie warten dann dort in einer großen Zwingeranlage mit Wiesenanteil, dort haben sie mehr und komfortabler Platz als im Auto.
Als wir also zu den Zwingern liefen, rannte NLH los zum Auto zurück - wieder sagte er deutlich, daß er jetzt heimfahren will. Schließlich ging er mit den anderen Hunden in die Zwinger und Wiesenanteil, und dort liegt er dann immer in einer Hundehütte und schläft.
Ich war bis hierhin ehrlicherweise auch schon leicht genervt.
Ich bin ein sehr ruhiger, ausgeglichener und belastbarer Mensch, es dauert lange, bis man mich mal aus der Ruhe bringen kann.
Im November hatten wir kurz zuvor einen Todesfall in der Familie gehabt, und vielleicht war ich dort Anfang Dezember nicht ganz in meiner Mitte, aber das soll auch keine Entschuldigung sein.
Das Treffen verlief, und gegen Nachmittag etwa 15:00 entschied ich, die Geduld aller nicht überzustrapazieren und wollte heimfahren.
Zuvor sollten alle meine Hunde noch einmal zum Lösen auf die große Wiese kommen.
Als ich sie aus den Zwingern holen wollte, rannte mein NHL wieder los, er wollte zum Auto und heimfahren - was er mir bis dahin schon ziemlich oft an diesem Tag deutlich gesagt hatte. Ich sicherte ihm zu, daß wir fahren, sobald wir auf der Wiese gewesen sind. Er sprang mich auch mehrmals an, was er nur dann macht, wenn er mich körperlich in eine andere Richtung drängen will.
Nach einigem Hin und Her ging er also mit mit Grummeln.
Und dann startet dieses Video, man sieht uns auf die Wiese kommen und dann den NLH vorrennen. Und in dem Moment war bei mir einfach eine Grenze erreicht,
und ich reagierte dann entnervt.
Das ist nicht schön, das ist ein Fehler, und das soll man so nicht machen.
Alles keine Frage, und das ist auch alles andere als souverän.
In dem Moment kommen die Hunde zurück zu mir, und mir tat es umgehend auch leid.
Man sieht, wie ich mich zum NLH herunterbeuge, er signalisiert mir, daß er nicht auf die Wiese laufen will, und ich habe ihm gesagt, daß wir sofort nachhause fahren und er sein Futter zuhause bekommt, wenn wir hier fertig sind. Genervt war ich aber immer noch, und er auch.
So eine Situation kann nicht stimmig werden, solange sowohl der Leithund als auch ich genervt sind.
Er wollte nachhause,
ich wollte nachhause,
ich wollte aber auch nicht - etwas stur von mir - mich so diktieren lassen von meinem NLH.
Und er - etwas stur von ihm - wollte sich mit seinem Wunsch, sofort umgehend heimzufahren, durchsetzen.
Das sieht man in dem Video.
Mein NLH ist in der Hunde-Gruppe der einzige Leithund,
und er hat seine Stellungssouveränität altermäßig erreicht. Er ist der ältere der beiden Eckhunde, MBH ist 1 3/4 Jahre, und es dauert noch etwa 1 1/4 Jahre bis sie die Stellungssouveränität erreicht hat.
Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den Eckhunden, und der Leithund versucht, seinen Willen durchzusetzen permanent.
In der jungen Hundegruppe gelingt ihm das auch, solange MBH das Alter von 3 Jahren noch nicht erreicht hat. Er ist gewöhnt, daß alle ihm und seinen Anweisungen folgen.
Er ist stärker im Durchsetzungsmodus, da die MBH noch zu jung ist gemeinsam mit N2, als daß NLH die Absprachen berücksichtigen würde.
In dieser Entwicklungsphase eines Teilrudels ist es normal,
daß der Leithund auch verstärkt mit dem Menschen diskutiert, weil er auch hier seinen Willen durchsetzen will, wie er es aus der Hundegruppe gewöhnt ist.
Noch stärker tritt dieses Verhalten auf, wenn der Leithund bemerkt, daß der Mensch selber innerlich nicht ausgeglichen ist.